Archiv für Autobahn- und Straßengeschichte

Asphalt, Beton & Stein | Autobahnen & Fernstraßen

Moorsprengung bei Teupitz an der Strecke 60 (heute BAB A13)

Ein oft praktiziertes Verfahren, um Moorgebiete mit der Trasse der Autobahn zu überwinden, war das Sprengverfahren. Hierbei wurde mit zwei wesentlichen Arbeitsschritten die oftmals mehrere Meter dicke Moorschicht gegen eine Kiesgründung ausgetauscht. Der erste Schritt bestand in der Regel darin, einen mehrere Meter hohen Damm aus Sand und Kies in der Achse der Trasse aufzuschütten. Allein durch das Gewicht der Massen erfolgte bereits ein Auspressen von Teilen des Moores nach den Seiten des Dammes hin. Im zweiten Schritt wurden, nachdem der Damm nochmals mit Kiesmaterial eine Auffülung erfahren hatte, seitlich in den Moorboden eingepresste Sprengpatronen gezündet. Der Explosionsdruck bewirkte ein Herauspressen des Moores, sodass der Damm nach unten sacken konnte, bis er auf tragfähige Bodenschichten unter dem Moor zu liegen kam.

Die nachfolgenden Bilder zeigen den Ablauf des Moorsprengverfahren an der Strecke 60 bei Teupitz, ca. 17 km südlich des Breslauer Dreiecks (heute AK Schönefeld). Hier musste die Trasse zwischen dem Groß Köriser See und dem Zemminsee hindurchgeführt werden, wobei aber der bestehende Schiffsverkehr durch einen kleinen Kanal zwischen den beiden Seen möglich bleiben sollte.

A13-a
 
Bild 1: Baustelle vor der Sprengung

Das nördliche Widerlager wurde vor der Sprengung errichtet, wobei die Hinterfüllung aber noch nicht erfolgte. Für den Bau des südlichen Widerlagers wurde vorerst eine umspundete Baugrube geschaffen. Der zwischen dem Widerlager und der gespundeten Baugrube bestehende Kanal diente nun als Durchfahrt für Schiffe. Bis an die Baugrube heran wurde in der Achse der RAB der Damm geschüttet.

A13-b
 
Bild 2: Während der Sprengung

A13-c
Bild 3: Baustelle nach der Sprengung

Die Sprengung fand am 6. Februar 1938 statt und das Ergebnis wurde nach seiner Prüfung als gelungen betrachtet. Die Spundung der Baugrube hatte sich nur unwesentlich verschoben. Nach Erneuerung der Aussteifung hielt sie die Wassermassen aus der Grube bis zum Ende der Betonierung des südlichen Widerlagers heraus. Der Mast einer Hochspannungsleitung, welcher im Abstand von 50 m zur Baustelle stand, wurde nicht in seiner Standfestigkeit beeinträchtigt.

Text: H. Schneider, Naumburg (Saale), 11/2012

Schrifttum:
Schnell, Carl: "Moorsprengung bei Teupitz an der Strecke Berlin – Breslau der Reichsautobahn"
in: Die Strasse 5 (1938) H. 5, S. 160 (3 Abb., 1 Skizze)

Bender, Erich: "Moorsprengung Zemminsee"
in: Die Strasse 5 (1938) H. 12, S. 392 (3 Abb., 3 Skizzen)